Téléphoner #12 - Lena Fischer (Gurten Festival) & Fabienne Wolfschläger (Openair St.Gallen)

Date: 8. September 2020

Time: 14.30


Planungsunsicherheit

Die Planungsunsicherheit belastet sowohl das Team vom Gurtenfestival als auch vom Open Air St. Gallen. In St. Gallen besteht der Vorteil, dass sich ihr Arbeitsfeld nicht nur auf das Open Air beschränkt ist und sie nun weiterhin kleinere Veranstaltungen durchführen können. Für die nächste Ausgabe sind beide Festivals im Austausch mit anderen, um Lösungen zu suchen, wie ein Festival auf voller Kapazität veranstaltet werden kann. Dabei sind beide mit vielen neuen Herausforderungen konfrontiert: Schutzkonzept, Bewilligungen, aktuelle Bestimmungen etc. Vieles was heute von Gültigkeit ist, muss für nächsten Sommer nicht sein. Beide sind sehr darum bemüht, dass es dem Team gut geht und die Verbindung zum Publikum nicht abbricht. Auch da sind beide vorsichtig, weil es ein schwieriger Moment ist zu kommunizieren. Die Planungsunsicherheit betrifft aber nicht nur das Kernteam sondern auch alle Zuliefer*innen. Die Solidarität wird im nächsten Jahr nicht mehr dieselbe sein.

Viele Gedanken in alle Richtungen

Sowohl in Bern als auch in St. Gallen werden viele Gedanken gewälzt: z.B. würde die Möglichkeit für mehrere Eingänge, Kurztests, Warteräume, etc. bestehen, die jedoch auch wieder diverse Fragezeichen aufwerfen. Lösungsansätze werden stetig diskutiert, immer mit dem Ziel wieder auf voller Kapazität zu veranstalten. Für beide ist jedoch klar, dass es keine Platzalternativen gibt und man geht von der Durchführung des Festivals aus.

Point of no return

Die Bookings sind bereits bei beiden abgeschlossen. Die Frage der Ankündigung des Programmes stellt für beide eine Schwierigkeit dar. In St. Gallen lief der Vorverkauf bereits nach 5 Tagen nach dem abgesagten Festival weiter, aber die Menschen verhalten sich verständlicherweise zurückhaltend. Die Arbeiten für das Festival beginnen jetzt / bald und irgendwann ist dann definitiv der Point of no return. Bis dahin sollten für alle Beteiligten Entscheidungen getroffen werden.

Kulturpolitik

Beide Festivals werden durch die SMPA vertreten. Gleichzeitig ist auch ihr Wunsch, dass es eine Stimme für alle aus der Musikbranche geben würde, um so ein stärkeres Lobbying zu generieren. Die Aufhebung der 1000er Grenze, gibt Lena zu bedenken, ist wohl eher für Sportvereine gedacht. Die Krise hat zudem aufgezeigt, wie viele Menschen eigentlich in der Kultur tätig sind und auch ein wirtschaftsrelevanter Sektor die Kultur ist. Das ist immerhin ein positiver Aspekt.

Viel Liebe vom Publikum

Nach der diesjährigen Absage haben beide von ihrem Publikum viel Liebe erhalten. Dies hat beiden sehr geholfen positiv zu bleiben. Die vielen jungen Menschen leiden wohl sehr unter dieser Situation: da fehlt jetzt definitiv etwas, stellen beide mit bedauern fest. Die Auslastung der Clubs läge bei 25-30% hauptsächlich von 18-22 jährigen besucht. Über 25 Jährige bleiben nach wie vor eher zu Hause.

Vertrauen aufbauen

Die Verantwortung über die gesundheitliche Sicherheit vom Publikum ist für beide zentral. Es ist wichtig zu kommunizieren, dass sich das Festival der Situation bewusst ist und alles für die Sicherheit getan wird, wie bereits auch in der Vergangenheit. Das Vertrauen muss stetig dafür aufgebaut werden. Sicherheit versus gute Musik und Spass.

Survival at the fittest

Die Festivaldichte ist in der Schweiz sehr hoch und es ist gut möglich, dass dies nicht alle überleben werden: «Niemand profitiert, wenn andere sterben», ergänzt Lena. Es kann aber auch sein, dass Innovationen gefördert werden und die ganze Situation eine Auswirkung auf die Gagenpolitik haben wird.

Wünsche

- Wieder veranstalten dürfen

- Zusammenrücken der Kulturszene

- Austausch in der Kulturszene

- Gemeinsam weitergehen